Es ist der erste Abend des diesjährigen internationalen Auffrischungsseminars auf dem Labenbachhof. Eine Woche lang sind Traumafachleute aus Zentralamerika, Brasilien, der Ukraine, Palästina, Liberia, den Niederlanden, der Schweiz und Deutschland gemeinsam hier, um ihr Wissen zu vertiefen, Kraft zu tanken und voneinander zu lernen.

Was gibt uns Kraft und Hoffnung?

Mit dieser Frage starteten wir in das Seminar: Was gibt euch in eurer Gesellschaft Kraft und Hoffnung? Dazu gestaltete jede Gruppe ein Kunstwerk mit Materialien aus der Natur. In einem gemeinsamen Rundgang wurden diese Kunstwerke angeschaut und erklärt.

„Wir wollen nicht nur als Opfer wahrgenommen werden, denn wir haben ganz viel Lebensfreude und Stärke. Wir unterstützen uns gegenseitig, auch wenn das Leben für uns sehr schwer ist“, sagte eine Kollegin aus Palästina zu ihrem Kunstwerk.

An diesem Abend konnten wir viel Gemeinsames entdecken, wie die Kraft der Gemeinschaft und der Musik. Und sowohl die Lebensfreude und die Ressourcen als auch die Last der traumatischen Erfahrungen waren in dieser Woche spürbar.

Fachliche Vertiefung und persönliche Erfahrungen

Im Mittelpunkt des Seminars standen die Arbeit mit traumatischer Trauer sowie verschiedene Methoden zur Traumakonfrontation. Neben der theoretischen Vertiefung war es dabei besonders wichtig, die Methoden auch selbst zu erfahren und auf eigene Erfahrungen und Themen anzuwenden.

Dazu arbeiteten die Teilnehmer:innen unter anderem mit einem Protokoll für Gruppen mit traumatischen Verlusten, der Screen-Technik zur Traumakonfrontation und der 4-Felder-Technik. Bei der 4-Felder-Technik können durch Malen und bilaterale Stimulation sowohl Ressourcen verankert als auch traumatische Erfahrungen verarbeitet werden.

Wie unmittelbar diese Arbeit auch für die eigene Auseinandersetzung mit traumatischen Erfahrungen sein kann, zeigt die Rückmeldung einer Teilnehmerin: „Ich habe alle Übungen gedanklich anhand meiner eigenen Traumata durchgeführt. Die Auseinandersetzung mit dem Trauma anhand der Screen-Technik hat meine gesamte Perspektive verändert. Ich sehe die Dinge und meine Erfahrungen nun ganz anders.“

Kraft tanken und Ressourcen stärken

Neben der Arbeit mit Belastungen stand auch die Stärkung der eigenen Ressourcen im Fokus. Jeder Tag begann mit Körperarbeit nach den Power-Response-Leitlinien. Beim Bogenschießen konnten die Teilnehmer:innen ihre eigene Kraft spüren, und an den Abenden wurde gemeinsam gespielt, gesungen und getanzt.
„Ich bin sehr dankbar für die Gelegenheit, an diesem ganz besonderen Seminar teilnehmen zu können, mich weiterzubilden, auf mich zu achten und die Traumata zu verarbeiten, die mein Leben prägen“, fasste eine Teilnehmerin ihre Erfahrung am Ende zusammen.

„Ich wurde hier gehört, ohne beurteilt zu werden. Es gab Raum, um Geschichten und Erfahrungen auszutauschen. Den Frieden, den ich jetzt in meinem Herzen trage, kann mir niemand nehmen.“

Martina Bock, Geschäftsführung und Projektmanagement Ausland