Am 9. Mai 2026 fand im Haus der Hochschul- und Studierendengemeinden in München eine besondere Begegnung mit Vertreterinnen des Parents Circle – Families Forum (PCFF) statt. Rund 80 Gäste nahmen an der Veranstaltung teil, die von Thomas Prieto Peral moderiert wurde.

Im Mittelpunkt standen die persönlichen Geschichten von Laila al-Sheikh und Michal Halev, die beide im israelisch-palästinensischen Konflikt ein Kind verloren haben. In einem eindrucksvollen Gespräch berichteten sie von ihrem Weg durch Trauer und Verlust sowie von ihrer bewussten Entscheidung gegen Rache und für Dialog und Verständigung.

Begegnung im gemeinsamen Schmerz

Laila al-Sheikh sagte: „Unsere Tränen haben dieselbe Farbe.“ Als Palästinenserin habe sie Israelis lange nur als Soldaten erlebt. Umso bedeutender sei für sie die Begegnung mit Michal gewesen. Besonders berührt habe sie der Moment, als eine israelische Frau zu ihr sagte: „Ich bin auch eine Frau. Ich kann deinen Schmerz verstehen.“ Ihre Botschaft war klar: „Gott hat uns geschaffen, um zu lieben, nicht um uns gegenseitig zu töten.“

Auch Michal Halev teilte ihre Geschichte mit großer Offenheit. Mit bewegenden Worten schilderte sie den Verlust ihres Sohnes und ihre Entscheidung, den Schmerz nicht in Hass zu verwandeln: „Als ich hörte, dass sie seinen Namen auf eine Rakete geschrieben hatten, eine Rakete, die dazu bestimmt war, das Kind einer anderen Mutter zu töten, sagte ich im Namen meines Sohnes und in meinem eigenen: Wir wollen keine Rache.“

Immer wieder herrschte gespannte Stille im Saal. Tief bewegend war auch Michals Satz: „Gewalt prägt unser Land seit Generationen. Und sie funktioniert nicht. Deshalb werde ich mich weiter für Frieden einsetzen.“

Beide Referentinnen richteten außerdem einen eindringlichen Appell an Politik und Kirchen in Deutschland: Man müsse weiter über den Konflikt sprechen, Empathie und Mitgefühl stärken und Wege zum Frieden suchen, statt weiter auf Waffen zu setzen. Frieden beginne dort, wo Menschen einander zuhören und die Menschlichkeit des Gegenübers anerkennen.

Dialog, Appell und gemeinsamer Blick nach vorn

Die Veranstaltung war Teil einer Dialogreihe des Parents Circle Friends Deutschland e.V., die Gespräche und Begegnungen in mehreren süddeutschen Städten ermöglichte. Die Münchner Veranstaltung haben wir gemeinsam mit Parents Circle Friends Deutschland e.V., der Petra-Kelly-Stiftung, pax christi im Erzbistum München & Freising und dem Evangelischen Migrationszentrum München organisiert.

Der Parents Circle – Families Forum wurde 1995 gegründet und vereint über 800 israelische und palästinensische Familien, die Angehörige im Konflikt verloren haben. Die Begegnung in München machte eindrücklich deutlich, dass echter Dialog dort beginnt, wo Menschen bereit sind, einander zuzuhören und die Perspektive des anderen anzuerkennen.

Zum Abschluss beschrieben Laila und Michal, wie einsam und sprachlos sie sich nach dem Verlust ihrer Kinder lange gefühlt hatten. Als trauernde Mütter hätten sie das Gefühl gehabt, mit ihrem Schmerz völlig allein zu sein. Heute mit Menschen zusammenzusitzen, die ihnen zuhören, sie begleiten und sich gemeinsam mit ihnen für Frieden einsetzen, bedeute ihnen unendlich viel. Dafür dankten sie den Anwesenden von Herzen.